Die ganze Welt ist eine Bühne

„Die ganze Welt ist eine Bühne“

William Shakespeare

Ein Sommernachtstraum





…ein Satz, den wir wahrscheinlich alle schon einmal gehört haben. Was Shakespeare einmal geschrieben hat macht sich die Theatertherapie zu Nutzen. Denn wenn die Welt eine Bühne ist, so ist unser Leben definitiv die Handlung, in der wir als Figur agieren. Und so stellt sich sogleich die Frage, welche Rolle wir einnehmen, wer die Regie führt, um welche Art des Theaterstücks es sich handelt und so weiter, und so weiter. 

Mein Name ist Florian Kreis und ich bin seit 1998 als Schauspieler, Regisseur und Theatertherapeut tätig. Ich spiele Theater, entwickle Theaterstücke oder arbeite als Theatertherapeut. Im Theaterbereich, beispielsweise wenn eine Probe stockt und das Theaterstück nicht fertig entwickelt werden kann, oder in der Persönlichkeitsentwicklung. Und hier wird auch bereits die gegenseitige Befruchtung deutlich. Theater, welches das Leben befruchtet und Leben, welches das Theater befruchtet. Aus diesem Ansatz heraus gründete ich vor mehr als 15 Jahren Theater im Leben, welches diese Aspekte zusammenführt. Doch was genau ist damit gemeint?

Wenn ich als Schauspieler eine Rolle erlerne, beginne ich mich zuerst einmal mit der Figur auseinanderzusetzen. Nehmen wir einmal Romeo: Wer ist Romeo? Woher kommt er, wie ist sein Stand in der Gesellschaft, wie alt ist er? Was könnte er bisher alles erlebt haben und wohin möchte er gehen? Wie ist sein Verhältnis zur Familie. Welcher Typ Mensch ist er, ein Träumer, ein Realist, wohlhabend oder ärmlich…

In der Theatertherapie gehen wir ähnlich vor. Der Teilnehmer kommt aus einem gewissen Grund auf den Therapeuten zu, meist aus einer bestimmten Fragestellung heraus. Beispielsweise: Welchen beruflichen Weg soll ich einschlagen, oder warum fühle ich mich unsicher im Kontakt mit anderen Menschen. Oder warum halte ich an einem Lebensumstand fest obwohl es mir in ihm schlecht geht…

Die Frage die sich nun also stellt ist: Warum handelt der Charakter wie er eben handelt. Was ist die zugrundeliegende Geschichte? In welchem Umfeld lebt der Charakter? Welche Ängste liegen zugrunde und warum? Woher die Unsicherheit? 

Es geht also auf der ersten Ebene darum, in die eigene Rolle zu schlüpfen – komisch wie. Die eigene Rolle? Aber ich bin doch ich, oder? Ja bin ich das wirklich? Oder bin ich nur ich zu einem bestimmten Teil? Kann ich heute so sein und morgen anders? Ja! Denn du bist ein unglaublich vielschichtiger Charakter. Da ist der eine Teil, der voranstrebt, der Andere, der sich gerne einigelt. Da ist einer, der oft gleich verletzt ist und ein Anderer der unglaublich laut lospoltern kann. Und all diese Aspekte zusammen und noch viele mehr sind „ich“.

Und so entdecken wir gemeinsam die erste Ebene, die uns handlungsfähig werden lässt. Denn wenn ich entdecke, wer ich bin, was mich ausmacht und wie ich meine Stärken und vermeintliche Schwächen einsetzen und wandeln kann, werde ich zu einer authentischen Persönlichkeit. Ich beginne für mich selbst einzustehen und mein Leben so zu gestalten, dass es mir gut tut, mich stärkt. Und ich lasse destruktive, schwächende Prägungen los. So kann Heilung entstehen.

Doch was meine ich mit „erster Ebene“? Gibt es da noch mehr? Ja, eine Fragestellung, die du eventuell auch kennst? Wenn dieses „ich“ ergründet werden kann, die Facetten, die aus Erlebnissen und Prägungen resultieren, erkannt und losgelassen werden können – wer ist derjenige, der dies tut? Wer öffnet die Augen und erkennt sich selbst?

Alleine, wenn du das hier liest, kann es möglich sein, dass etwas anderes, größeres jetzt ist. Und aus diesem „Sein“ heraus ist es möglich, dass alle anderen Ebenen fallen. Hier wird es still, hier wird es friedvoll, hier…

Auch das, was immer ist, die eigentliche unverrückbare Wahrheit darf Raum haben in unserer gemeinsamen Arbeit. Schon im alten Griechenland galt der Schauspieler als Mittler zwischen Gott und der Welt – denn wenn all das hier ein Spiel ist, wer spielt dann mich?

Doch zurück zur Ebene der Wandlung. Anzuerkennen wer ich bin und was ich bin kann also ein erster Schritt in ein selbstbestimmteres Leben sein. Selbst-bestimmt. Denn wenn ich etwas in meinem Leben verändern möchte, so muss ich als erstes einmal anerkennen, dass ich überhaupt die Fähigkeit dazu habe etwas zu verändern. Und manchmal ist nichts schwieriger als verantwortlich zu sein. Wie bequem ist es doch, wenn der Chef schuld ist an meiner Misere. Oder meine Frau mich die ganze Zeit klein macht. Meine Kinder mich an meiner Selbstverwirklichung hindern usw. Dann schicken sie mir doch bitte Ihren Chef, ihre Frau oder Ihre Kinder. Denn bedingt durch diese innere Haltung und Überzeugung können wir mit Sicherheit nichts an Ihrem Leben ändern. Doch wenn Sie tief in sich spüren, dass dort ein Gestalter ist, eine Instanz aus der heraus alles was sich formt und erscheint in ihrem Leben, egal ob konstruktiv oder destruktiv, und sie sich dorthin sehnen, dort heraus handeln möchten, dann sind Sie bei mir goldrichtig! Gemeinsam werden wir uns dort hin wenden, still werden und sehen, was uns begegnet.

„Ich kreise um Gott, um den Uralten Turm, und ich kreise Jahrtausende lang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang.“

Rainer Maria Rilke

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Ja, ich spiele die Hauptrolle in meinem Leben, ob ich dies bewusst tue oder eben nicht. Und durch meine Reaktionen auf die Geschichte in der ich mich bewege, kreiere ich diese mit. Es ist eine Art Wechselwirkung und durch meine innere Haltung zu der mich umgebenden Realität werde ich aktiv im kreieren, passiv im annehmen oder destruktiv, wenn ich mich ausgeliefert und als Opfer der Welt um mich herum erlebe. Im Zentrum stehe ich, nur ist die Frage, ob ich gerade da bin, ob ich mich überhaupt wahr – nehme. Schlussendlich – aus welcher Haltung heraus begegne ich dem Leben.

Und damit kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt. Bin ich da? Oder nicht? Sein oder Nichtsein – das ist hier die Frage… Und wieder ist es Shakespeare, der einen Satz vor vielen Jahrhunderten geschrieben hat, der heute noch genau so aktuell wie damals ist. Sein oder Nichtsein. Don´t be a maybe – hat vor einigen Jahren eine bekannte Zigarettenmarke dazu gesagt. Heute, wo es immer mehr um Selbstverwirklichung und das Sein geht. Doch wann entsteht sein? Vielleicht in dem Moment in dem ich da bin – ganz da. Oder zumindest so viel da wie es mir derzeit möglich ist. Da sein mit allem was ich bin, mit meinem Schatten und meinem Licht. Und diese dann zu Tage tretenden Charaktereigenschaften oder Persönlichkeitsanteile können in der Theatertherapie spielerisch zum Ausdruck gebracht werden. Und in dem Moment in dem ich mich mit diesen Anteilen auseinandersetze nehme ich sie in Begriff. Ich werde ihrer leibhaftig. Und erweitere mein Handlungsspektrum. Ich entdecke neue Lösungsstrategien, ich setze mich bewusst mit mir auseinander, unterstützende und hinderliche Anteile können herausgearbeitet und verändert werden, die eigene Rolle beziehungsweise Person mehr und mehr zu Eigen werden.  

Theatertherapie – spielend das Leben verändern

Einzelsetting

Mein umfassendes Angebot an professionellen Tools aus dem Theater und dem Theatertherapiebereich richtet sich an alle, die kreativ und freudig die eigenen Ressourcen aufspüren und ins Leben bringen möchten.

Wenn…

Beziehungen stocken

eine berufliche Neuausrichtung ansteht

alte Gewohnheiten mein Vorankommen sabotieren

Doch was braucht es dafür, dass diese Form der Auseinandersetzung mit sich selbst möglich wird? Erst einmal Vertrauen. Vertrauen in den Therapeuten und Vertrauen in die eigene Weisheit, in den Körper, die Seele. Denn die Theatertherapie ist vor allem eine Therapieform die über das Machen und nicht über das Denken funktioniert.

Wenn Sie nun das Gefühl haben, hier bin ich genau richtig – worauf dann noch warten? Ich freue mich auf Sie und unsere gemeinsame Reise zu Ihrer individuellen Lösung!

Wer über seine Probleme und mögliche Lösungen nachdenken möchte sollte lieber eine gesprächsorientierte Therapieform wählen. Da gibt es ja einige Möglichkeiten.

Jetzt bin ich gleich ziemlich in die Tiefe gestiegen und ich möchte noch einmal etwas zurückrudern um auf eine wichtige Einsatzmöglichkeit der Theatertherapie zurück zu kommen. Soziale Situationen und zwischenmenschliche Beziehungen.

Die Theatertherapie beschäftigt sich nämlich erst einmal zu einem großen Teil damit, Begriffe aus der Theorie des Theaters, wie Rolle, Figur, Szene, Drehbuch, Regie und Inszenierung auf komplexe soziale Situationen und auf sich wiederholende Standardbeziehungen im Alltag und Beruf zu übertragen. Sei es das bevorstehende Vorstellungsgespräch, der Vortrag in einer Woche oder die herannahende Schwiegermutter, die mich irgendwie nicht so ganz für voll nimmt, beziehungsweise „klein“ macht.

Der Klient oder auch die Gruppe im Gruppensetting wird also in diesem Kontext vom Theatertherapeuten eingeladen die Szene nachzuspielen. So kann tatsächlich einer in die Rolle der Schwiegermutter schlüpfen oder den Chef mimen. In der gemeinsamen Aktion werden dann die Schwierigkeiten deutlich, oftmals in Gefühlen. Nehmen wir einmal an, die Schwiegermutter führt dazu, dass sich der Klient „erniedrigt“ fühlt. Als würde sich ein Gewicht auf seine Schultern legen. Nun können wir ganz körperlich damit umgehen. Wir nehmen also imaginär die Schwiegermutter auf die Schultern und schlüpfen in die Haltung hinein. Durch das körperliche Erleben dieses Gewichts wird es nun möglich zu erkennen, was da eigentlich passiert. Nach dieser Auseinandersetzung mit dem „Ist – Zustandes“ wird es im nächsten Schritt möglich, diese Haltung zu verändern und aus ihr heraus Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Mögliche Fragestellungen können hier sein: Was brauche ich, damit ich mich aufrichten kann? Welche Position würde mir helfen in meine Kraft zu kommen usw.

Mitunter hilft es auch, bewusst aus der Position heraus und in die „Lösung“ zu schlüpfen. Aus dieser „Wunschhaltung“ heraus, also wie ich gerne stehen würde in meiner Kraft und in meinem Selbstbewusstsein, kann nun im nächsten Schritt herausgearbeitet werden, wie wir von der ersten Position, des niedergedrückt Fühlens zur „befreiten“ Position in der Kraft gelangen.  

Die Körperhaltung spielt oftmals eine nicht zu unterschätzende Rolle. Gehen wir wieder vom Theater aus: In der Rollenarbeit nehmen wir Schauspieler oftmals einen körperlichen Anker um in einen Charakter schlüpfen zu können. Sei es nur die Hand in der Hosentasche und ein imaginärer Kaugummi oder eine zusammengezogene Gesäßmuskulatur. Schon habe ich zwei völlig unterschiedliche Charaktere.

Bitte, probieren sie das doch einfach einmal aus! Stehen sie auf und nehmen sie eine bestimmte Körperhaltung ein. Und nun achten sie auf Ihr Gefühl. Wie fühlen Sie sich jetzt im Augenblick? Und nun lassen sie doch einfach mal den Kopf hängen. Richtig hängen lassen, ganz schlaff, der Rest bleibt stehen. Und wie fühlt sich das an? Hat sich etwas am Gefühl verändert. Und nun richten Sie sich auf und schauen Sie nach vorne neutral. Und jetzt beginnen Sie zu lächeln einfach nur lächeln – Und?

Nun haben wir also Jemanden, der sich schwer tut vor anderen zu sprechen – Nervosität. Nach eingehender Vorbereitung werden wir also im Zuge der Therapie genau diese Situation mimen und ausprobieren. Wir stecken eine Bühne ab und führen den Teilnehmer langsam an die Bühne heran.  der Teilnehmer betritt die Bühne. Wie geht er auf die Bühne, wie steht er da? Und was sind die dazugehörigen Gefühle. Was unterstützt ihn und was hindert ihn am Auftreten. Welche Aspekte der Haltung verursachen vielleicht die Unsicherheit? Und was kann man ändern?

Stehen sie doch bitte noch einmal auf: Und nun schließen sie die Augen und erinnern sie sich zurück an einen Moment in dem sie sich absolut sicher gefühlt haben. Als sie ganz in Sicherheit waren. Lassen sie dieses Gefühl sich ausbreiten und größer werden, bis es den ganzen Körper durchströmt und versuchen sie dieses Gefühl nach außen zu zeigen. Und schon haben sie eine Idee für eine Körperposition der Sicherheit. Ich danke Ihnen! 

Normalerweise würden wir uns natürlich etwas mehr Zeit nehmen, aber vielleicht hat der eine oder andere so einen Geschmack davon was ich meine.

Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten alleine mit der Körperhaltung und den Gefühlen umzugehen. Auch Lebenssituationen können etabliert werden und sei es nur in der Vorstellung. Beispielsweise könnte es sein, dass jemand sich in seinem Freundeskreis unwohl fühlt. Vielleicht fehlt die Akzeptanz. Stellt sich diese Person dann imaginär in den Kreis der Freunde ist ziemlich schnell die Haltung erkennbar. Lösungsorientiert wie die Theatertherapie ist, wird nun geprüft welche Veränderungen innerlich oder äußerlich nötig sind um in die Wunschhaltung, bzw. das Wunschgefühl zu gelangen.

Aber auch Räume können im Setting etabliert werden, auch hier natürlich in Verbindung mit den Gefühlen der Teilnehmerin oder des Teilnehmers.

Einmal hatte ich eine sehr interessante Sitzung: Es ging um eine Frau, die mit ihren Kindern in einem Haus lebt, der Vater der Kinder allerdings lebt an  einem anderen Platz. Nun, die zwei lieben sich und möchten gerne zusammen sein, nur jeder will seinen Platz nicht aufgeben. In der Sitzung beschäftigten wir uns dann also mit den zwei Plätzen indem wir sie real im Raum installierten. Die Klientin konnte sich nun im Spannungsfeld der beiden Plätze bewegen. Und sie begann den Raum mit Tüchern und Kissen zu gestalten und legte einen Weg. Ich begleitete sie in Ihrem Prozess – aber wir redeten kaum miteinander. Ich machte ihr lediglich verschiedene Angebote und unterstützte Sie durch meine Anwesenheit und Anteilnahme. Nach einer Zeit begann sie den Weg zu gehen von einem Platz zum anderen, in Zeitlupe. Dabei nahm sie einfach wahr, was an Gefühlen aufstieg. Sie hielt immer wieder inne, als würde sie zu einem Wiederstand kommen. Sie nickte, als würde sie etwas erkennen, dann weinte sie etwas, dann lachte sie –  und schlussendlich setzte sie sich glücklich und zufrieden in eine Ecke des Raumes und begann das erlebte aufzuschreiben. Ich habe nie erfahren was los war denn im Feedbackgespräch redete sie zwar darüber verschiedene Wegmarken entdeckt zu haben und nun ein neues Verständnis für die Situation erlangt zu haben, was sie genau erlebt hatte wollte sie jedoch erst einmal in sich selbst bewegen. Aber einige Monate später erreichte mich ein Brief von ihr, in dem sie mir nochmals für die so tiefgehende Stunde dankte, die immer noch Ihr Leben positiv beeinflusse. Soweit ich weiß ist ihre Beziehung glücklich an zwei Orten – sie hat jetzt ihren Frieden damit.

Der Raum selbst spielt auch oft eine wichtige Rolle. Wo befinde ich mich im Raum? Wo fühle ich mich wohl? Bin ich heute eher am Rand glücklich oder in der Mitte? Und wenn ich da bin, wie bewege ich mich? Langsam oder schnell, laut oder leise? Und was geschieht, wenn ich genau die Opposition einnehme? Wenn ich einfach vom Rand und der langsamen Bewegung in die Mitte und  in eine schnelle Bewegung umswitche? Das Gefühl verändert sich. Ein Fakt, der übrigens in der Prävention von Sucht eine wichtige Position einnimmt. Das Erleben, dass es möglich ist Gefühle zu verändern. Ich bin nicht ausgeliefert – ich kann selbst erschaffen, verändern. So entwickle ich Selbstbewusstsein. 

Eine andere Klientin meinte einmal sie fühle sich im Außen so unwohl, habe das Gefühl, das falsche zu arbeiten nicht ihren Wünschen gemäß zu leben. Die Wünsche, die sie in sich trage und zu denen sie so schlecht gelange. Ich möchte hier anfügen, dass es sich bei der beschriebenen Stunde um die ca. 12. Einheit handelte! Wir sind also schon ein Stück weit gemeinsam gegangen. Wir installierten also im Anschluss an ihre Schilderungen ihr Erleben im Raum! Da war ein großes Viereck, in der Mitte im Zentrum eine Kerze für die Wünsche. Nun ging sie also außen auf der Vierecksbegrenzung entlang und wir arbeiteten heraus, welche Befürchtungen sie habe, was sie abhielt sich auf den Weg zur Kerze und zu ihren Wünschen zu machen. Immer wenn etwas aufstieg schrieb ich es auf einen Zettel und diesen Zettel legten wir im Anschluss in das Viereck. So entstand ein Weg der Befürchtungen zur Kerze. Und nach einer Zeit machte sie sich auf eben diesen Weg indem sie, wie auf Steine tretend von Zettel zu Zettel, von Befürchtung zu Befürchtung schritt und jede dieser Befürchtungen hinter sich ließ. Am Ende gelangte Sie zur Kerze und die Auftauchenden Wünsche wurden aufgeschrieben und um die Kerze gelegt. Sie war sehr stolz, den Weg gegangen zu sein und natürlich war es nur eine Intallation. Doch am Ende war es viel mehr als das, es war ein Ritual, übrigens ein weiterer Bestandteil der Theatertherapie, die Arbeit mit Ritualen… Auch hier erhielt ich einige Monate später eine Email. Sie wies mich auf einen Satz hin, den ich zu ihr nach der Installation gesagt hatte: „Und denk daran, du hast den Weg schon einmal beschritten!“ Weiter schrieb sie mir davon, dass sie nun endlich ihren Job aufgegeben habe, dass sie sich jetzt für Sprachen interessiere und wieder viel Musik mache. Ihre Mail schloss sie dann mit den Worten: Ich hoffe, du arbeitest weiter als Coach, also, kann ich mich bei Bedarf wieder melden, ich glaube, ich werde noch ein paar Wege im geschützten Raum probegehen müssen/dürfen…. 

Bis heute ist sie nicht mehr zu mir gekommen – ist das nicht wundervoll? Aber selbstverständlich bin ich da, sollte einmal wieder ein Probelauf von Nöten sein!

Und damit sind wir dann auch am Ziel der Theatertherapie angelangt! Der Coach, der Theatertherapeut wird nicht mehr benötigt!

Im gerade vorgestellten Beispiel war ein Aspekt das Zusammenspiel von Körper, Seele und Gefühlen. Der tiefe Wunsch den Wünschen gemäß leben zu können kam wahrscheinlich aus der Seele. Die Befürchtungen lösten wiederum Gefühle aus, die sich im Körper manifestierten. Die Seele möchte also mit ihren Wünschen Gehör finden. Eine schöne einfache Übung möchte ich gerne jetzt mit Ihnen machen:

Therapeutisches Theater in der Supervision

Ein weiterer Anwendungsbereich für das Therapeutische Theater stellt die Supervision dar. Hier gibt es verschiedenste Anwendungsmöglichkeiten, ein Beispiel möchte ich gerne vorstellen: Nehmen wir die Abteilung einer Firma. Einige Mitarbeiter sind sich nicht im Klaren über Ihre Rolle, ihre Aufgabenbereiche etc. Vielleicht gibt es mitunter Mobbing oder andere Konflikte. Nun gibt es verschiedenste Herangehensweisen. Zum einen können kleinere Gruppen mit zwei bis drei Teilnehmern gebildet werden und die Aufgabe wird dann sein, eine Szene aus dem Berufsalltag zu entwickeln. Thema könnte sein: „Was ich mir wünsche“ oder „was mich nervt“. Interessant ist auch beide Themen herauszugeben und parallel entwickeln zu lassen.

Nun werden im Anschluss nach und nach die verschiedenen Szenen vorgestellt. Die Teilnehmer erfahren nun als erstes einmal die Aufmerksamkeit ihrer Kollegen, was bei so manchem oftmals allein schon eine ganze Menge sein kann! Im Verlauf gibt es dann Feedback zur Szene, sei es in Form von Applaus oder auch in Form von positivem Feedback. Als nächstes kann nun beim Thema Wunsch geschaut werden ob vielleicht Aspekte des vorgetragenen Wunsches auch im Alltag umsetzbar wären. Im Falle des „was mich nervt“ wäre dahingegen die Möglichkeit gegeben, die Szene nochmals zu spielen und zu einer Lösung zu führen. Somit wäre die Lösung für das nervende zwar vorerst nur auf der Bühne gefunden – dennoch würde den Protagonisten klar werden, dass es verschiedene Lösungsmöglichkeiten für etwaige bestehende Konflikte gibt.

Eine andere Herangehensweise wäre das spielen mit den bestehenden Rollen. Der Stellung in der Abteilung gemäß könnte so jeder einen Platz auf der Bühne oder im Raum einnehmen und man könnte live sehen, wie die Beziehungen der verschiedenen Charaktere zueinander sind. Im Anschluss könnte man, auch auf die Gefahr hin, dass es zu Konflikten führen könnte, die Teilnehmer dazu auffordern, die Wunschplätze einzunehmen. So wäre es möglich „spielerisch“ bestehende Strukturen sichtbar zu machen, Aufgabenfelder zu definieren und Wünsche abzuholen. Und alleine die Aufmerksamkeit für bestehende Probleme oder Konflikte zu geben ist oft schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Wikipedia schreibt dazu:

Kommunikation, auch im psychotherapeutischen Kontext, ist häufig bestimmt von inszenierten sozialen Rollen, Figuren und Szenen, die in ihrer Dramaturgie oft festgelegt sind und nach „inneren Drehbüchern“ abzulaufen scheinen. Das „Sich-in-Szene-setzen“ ist Bestandteil jeder Kommunikation bzw. jeder sozialen Interaktion. Der Blickwinkel aus der Sicht des therapeutischen Theaters erlaubt, inszenatorisch und dramaturgisch, gleichsam in Bildern, zu sehen und zu denken. Dadurch wird es möglich, Personen und Figuren im sozialen Kontext zu „begreifen“, vor allem bei komplexen sozialen Situationen, und angemessene Interventionen zu finden.

Diese Art des Sehens hat die Ressourcen und nicht die Defizite im Blick, sie erleichtert die Anwendung von Metaphern und Bildern, Humor und auch Akzeptanz und Anerkennung der Geschichte und Szene, die da gerade vom Klienten inszeniert wird. Die Frage die man sich innerlich stellen kann, lautet dann etwa: Wie inszeniert der Klient, oder die Familie, ihre Symptome? Was für ein Drehbuch gibt es? Wie lautet das Stück? Das gilt auch für Standardsituationen wie etwa Konferenzen, Teamsitzungen, pädagogische Situationen usw.: Wer führt eigentlich Regie? Welche Rollen und Figuren sind vertreten? Welche Wiederholungsabläufe gibt es?

Der Lebensweg – das Ziel und die Hindernisse

Wo möchte ich in fünf Jahren stehen? Wo stand ich vor fünf Jahren? Die Rückschau auf bisher erreichtes gibt uns die nötige Kraft in die Zukunft zu sehen. Hier hilft uns das Biografische Theater mit dem wir spielend zurück gehen können und Situationen aus der Vergangenheit noch einmal lebendig werden lassen können. Wir schlüpfen in verschiedene Ereignisse mit 5 Jahren, 15 Jahren, 25 Jahren. Und wir spielen einmal die Erinnerung und dann die Lösung 100% positiv! So verändern wir das erlebte, wir schreiben die Geschichte zu einem gewissen Teil neu. Oder wir nehmen bewusst Meilensteine in denen wir erfolgreich waren und lassen diese wieder aufleben. Als dann sehen wir in die Zukunft und suchen dort nach einem Ziel. Wir nehmen beispielsweise den Erfolg in 5 Jahren. Wie viel möchte ich in 5 Jahren jährlich verdienen? 30000, 50000, 100000? Und nun gehen wir den Weg in die Zukunft zu unserem Ziel, plastisch im Raum. Und wir entdecken mögliche Hindernisse und Blockaden. 

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